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Zur Lage in der Ukraine

Update vom 14.03./11.03./02.03./01.03.2022 siehe ↓

 

In der Ukraine-Krise zeigt sich auf weitere Weise, wie weit in der Welt inzwischen Schwarz-Weiß-Denken vorherrscht. Sowohl auf Seiten der sogenannten „Putin-Versteher“ wie auch auf der anderen Seite, den sogenannten „Transatlantikern“, wird in den meisten Fällen nicht versucht, den Konflikt in seiner Gesamtheit und in all seinen Grautönen zu verstehen.

Es gibt natürlich Ausnahmen, wie die langjährige Moskau-Journalistin der ARD, Gabriele Krone-Schmalz, die jetzt einräumte: „Ich habe mich geirrt“. Auch von Gregor Gysi sind ähnliche Worte zu hören.

Ein hochinteressanter und wirklich lesenswerter Artikel auf der Multipolar-Webseite befasst sich mit dieser Thematik und beleuchtet so objektiv wie möglich (wie es anhand der vorhandenen Informationen eben möglich ist) die vielen Facetten dieses Konflikts, der ja schon seit vielen Jahren schwelt. Fehler und Versäumnisse sehen sie auf allen Seiten. Die Autoren, die Herausgeber von Multipolar, sehen schwere Zeiten besonders für Europa heraufziehen: Krieg in der Ukraine – Schwarze Tage Europas

Ihr Resümee:

Eine Lösung kann es eigentlich nur auf dem Verhandlungsweg geben. Doch auch hier gibt es bereits äußerst bittere Erfahrungen. Das Abkommen auf dem Maidan und das Abkommen von Minsk haben gezeigt, dass Politiker aus Russland und der EU durchaus Kompromisse im europäischen Interesse aushandeln können. Beide Abkommen scheiterten jedoch, weil sie nicht im Interesse der US-Regierung und der ukrainischen Nationalisten lagen. An deren Positionen hat sich nichts geändert – im Gegenteil. Zudem dürfte zwischen Moskau und Washington beidseitig jegliches Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des anderen verloren gegangen sein.

Ohne dass Moskau und Washington sich einigen, ist aber jede dauerhafte Lösung illusorisch. Beide müssen sehr viel tun, um vom anderen wieder als verlässliche Verhandlungspartner anerkannt zu werden. Im Westen insgesamt ist zudem ein grundlegender Mentalitätswandel nötig: Solange man hier nicht endlich zu einer realistischen und fairen Betrachtung der internationalen Interessenlage kommt – übrigens auch in den hiesigen Medien –, wird es keine Lösung geben.

Hier nochmals der Link zum Artikel: https://multipolar-magazin.de/artikel/schwarze-tage-europas

 

Auf der anderen Seite wird es bei uns in Deutschland interessant sein zu beobachten, wie die Reaktionen der doch eher Mitte-Links angesiedelten Friedensbewegung darauf sein wird, dass ausgerechnet eine Rot-Grüne Regierung Waffen in ein Kriegsgebiet schicken lässt, der Bundeswehr 100 Milliarden Euro zukommen lässt und ihr in Zukunft einen Wehretat über 2 % des Bruttoinlandsprodukts in Aussicht stellt – eine Forderung, für die vor nicht allzu langer Zeit der frühere US-Präsident Trump hierzulande schwer angefeindet wurde.

Und ebenso interessant wird es sein zu sehen, wie der Grüne Wirtschaftsminister auf Forderungen reagieren wird, zur Energie-Versorgungssicherheit Atom- und Kohlekraftwerke zu reaktivieren oder später vom Netz zu nehmen. Ganz zu schweigen, was passiert, sollte Russland die Energielieferungen an Europa und insbesondere an Deutschland ganz einstellen.

 

Update vom 14.03.2022:
Und ein weiterer Artikel mit vielen Hintergrundinformationen zur Entstehung des Ukraine-Kriegs, ein Interview mit Jacques Baud, einem ausgewiesenen Experten für internationale Sicherheit, nachrichtendienstliche Aufklärung und Autor mehrerer Bücher über Nachrichtendienste, asymmetrische Kriegsführung, Terrorismus und Desinformation: «Die Politik der USA war es immer, zu verhindern, dass Deutschland und Russland enger zusammenarbeiten» – Historische, politische und wirtschaftliche Hintergründe des Ukraine-Kriegs

 

Update vom 11.03.2022:
Zwei weitere lesenswerte Artikel der letzten Tage – Ukraine-Krieg – Was ist eigentlich das Ziel des Westens? 

Der Westen liefert Waffen, reißt die letzten diplomatischen Brücken ein und gibt sich dabei ungemein solidarisch mit dem Volk der Ukraine. Die Solidarität der Menschen wird sicher gut gemeint sein. Auch mir tränt das Herz. Doch wer das Leid der Menschen minimieren will, sollte nicht auf Eskalation, sondern auf Deeskalation setzen. Ob wir es wollen oder nicht, dieser Krieg ist nur am Verhandlungstisch zu beenden und wer ihn in die Länge zieht, sorgt letztlich nur für noch mehr Leid – auch und vor allem in der Ukraine.

Geopolitischer Schock – entgegen den Erwartungen vieler hat Russland nun das Völkerrecht gebrochen — das Chaos in Europa ist für die USA vorteilhaft.

Angesichts des Völkerrechtsbruchs Russlands suhlt sich der Westen in einem ausufernden Moralismus, der letztlich eine unbeschreibliche Doppelmoral darstellt. Denn das, was Russland derzeit in der Ukraine verbricht, macht der Westen seit Jahrzehnten mit einer stoischen Selbstverständlichkeit.

 

Update vom 02.03.2022:
Der Journalist Boris Reitschuster hat auf seiner Webseite einen Auszug mit dem Titel „Ausblick“ aus seinem Buch“Putins Demokratur“ von 2006 (aktualisiert 2018) veröffentlicht, in dem er das System Putin beschreibt und Gründe für die aggressive Politik Putins aufführt. Eine eindrucksvolle Analyse eines Russland-Freunds und Kenners, aber Putin-Realist: Die Gefahr war schon 2006 zu sehen – wir wollten nur nicht hinsehen

„Wir müssen Putin klare Grenzen setzen, sonst wird sein Überfall auf die Krim nicht sein letzter gewesen sein.“

 

Update vom 01.03.2022:
Vier weitere aktuelle Beiträge zum Thema:
Russland handelt auch aus Notwehr
Die Anti-Diplomaten – über den desolaten Zustand der deutschen (Außen-) Politik
Ukraine’s Deadly Gamble – ein englischsprachiger, sehr kluger und offener Artikel über die Rolle der USA in diesem Konflikt

Und hier ein sehr aufschlussreicher Beitrag zu den Motiven Russlands und Putins – die Übersetzung eines Artikels, der kurz nach dem Angriff auf die Ukraine auf RIA Novosti (ein Sprachrohr des Kreml) veröffentlicht und inzwischen gelöscht wurde – möglicherweise, weil der Text aus der Perspektive eines bereits erfolgten Sieges über die Ukraine erstellt war, der dann doch nicht erfolgte:
„Die Ukraine ist nach Russland zurückgekehrt“

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