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Zum Jahrestag der gewaltsamen Niederschlagung der Studentenproteste 1989 in China, bei uns auch bekannt als Tiananmen-Massaker, möchte ich kurz an die damaligen Ereignisse erinnern.

Nach dem Tod des ehemaligen Generalsekretärs der KPCh, Hu Yaobang, im April 1989 nutzten tausende Studenten in Beijing die Trauerkundgebungen, um wie bereits 1986/87 politische Reformen und vor allem eine weitergehende Öffnung der Gesellschaft bis hin zur Demokratie zu fordern. Im Verlauf der kommenden Woche schlossen sich immer mehr Studenten auch aus anderen chinesischen Großstädten diesen Protesten an.

Ab Mai 1989 stießen Arbeiter, Gewerkschaftler und auch Unternehmer zu den protestierenden Studenten und verhalfen so dem Protest zu einer breiten, gesellschaftsumgreifenden Basis. Gleichzeitig kam es zu einem internen Machtkampf innerhalb der KPCh. Parteichef Zhao Ziyang sprach sich für einen Dialog mit den Protestierenden aus, während Hardliner wie Ministerpräsident Li Peng oder die graue Eminenz im Hintergrund Deng Xiaoping einen harten Kurs forderten. Die Hardliner setzten sich durch, Zhao wurde am 18. Mai entmachtet, und es wurde der Ausnahmezustand für Beijing erklärt.

In den darauf folgenden Tagen konnte die Beijinger Bevölkerung erste Versuche der Volksbefreiungsarmee, den Protest niederzuschlagen, erfolgreich verhindern. Immer schärfer werdende Warnungen der Regierung an die Protestierenden führten zu einer Spaltung innerhalb der Studenten auf dem Tiananmen-Platz. Ein Teil der Studenten verließ Anfang Juni den Platz.

Am 3. Juni begann ein weiterer Versuch der Volksbefreiungsarmee, von den Außenbezirken Beijings ins Zentrum der Stadt zu gelangen. Dabei wurden auch scharfe Waffen eingesetzt, es kam zu ersten Toten auf beiden Seiten, und das Vorgehen der Soldaten wurde immer gewalttätiger.

In der Nacht zum 4. Juni hatte die Armee es schließlich geschafft, den Tiannamen-Platz zu umzingeln. Nach Verhandlungen zwischen Studentenvertretern und der Armee konnten die verbliebenen etwa 5.000 Protestierenden im Laufe des Vormittags den Platz verlassen.

In anderen Stadtteilen Beijings und auch in anderen chinesischen Großstädten kam es noch bis in den 5. Juni hinein zu vereinzelten Widerstandsaktionen, die alle blutig niedergeschlagen wurden. Während es als relativ gesichert gilt, dass es auf dem Tiananmen-Platz selbst während der Proteste und ihrer Niederschlagung zu keinen Gewalttätigkeiten gekommen ist, kann die Zahl der getöteten Bürger, Arbeiter, Studenten und Soldaten in den anderen Stadtteilen Beijings sowie im sonstigen Land nur geschätzt werden. Diese Schätzungen gehen von einigen Hundert bis zu einigen Tausend getöteten Personen.

 

Zum Schluss ein Lese-Tipp: Die für mich am besten recherchierte Analyse der damaligen Ereignisse findet sich in folgender Veröffentlichung, die vielleicht über Antiquariate oder gebraucht bei Online-Buchhändlern erhältlich ist:
Studentenprotest und Repression in China April – Juni 1989: Analyse, Chronologie, Dokumente
Fischer, Doris / Peter Schier / Ruth Cremerius
Hamburg: Institut für Asienkunde (Mitteilungen des Instituts für Asienkunde 186)

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