Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats | Bild: picture alliance / photothek | Felix Zahn

Der Ethikrat hat versagt

Zum ersten Mal seit langer Zeit empfinden Menschen in Deutschland den Staat wieder als Bedrohung. Und der Ethikrat versagt bei seiner ersten wirklichen Bewährungsprobe auf geradezu groteske Weise. Seine Aufgabe wäre es, die Politik zu kontrollieren, nicht voraufklärerische Legitimationsstrategien für Ausgrenzung zu liefern. Ein Zwischenruf.

AGNES IMHOF, 16. November 2021, 15 Kommentare, PDF

„Euch sollte man im Krankenhaus nicht mehr behandeln, so schaut’s aus!“ Das habe der Bauer im historisch belasteten Landkreis Landsberg/Lech ihr nachgerufen, erzählte meine Bekannte. Das Verbrechen, für das sie seiner Meinung nach den Tod verdiente: sie nahm das Menschenrecht auf Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper in Anspruch und wollte sich nicht gegen Covid impfen lassen. Im November 2021 ist die Barbarei zurück.

Denn der Bauer steht mit dieser Ansicht nicht allein. Er kann sich auf prominente Unterstützung berufen. Zur Erinnerung hier noch einmal einige Positionen von Mitgliedern des deutschen Ethikrats:

Wer sich nicht impfen lässt, soll nach Ethikratsmitglied Wolfram Henn auf lebensrettende Maßnahmen und Intensivbett verzichten. Wer sich nicht impfen lässt, stellt sich außerhalb der Solidargemeinschaft (Alena Buyx, Vorsitzende des Ethikrats). Ungeimpfte sollten ihre Tests selbst bezahlen, der Staat sei nicht für ihre „Unvernunft“ zuständig (Wolfram Henn). Das bedeutet nichts anderes, als dass er die Gleichheit aller Bürger als zu teuer betrachtet – seit wann stehen Menschenrechte unter Finanzierungsvorbehalt? 3G sei zwar besser als 2G, aber eine Impfpflicht sei auch das nicht. „Eine Pflicht ist etwas, dem man sich nicht entziehen kann, und natürlich kann man sich dem entziehen, ich muss ja nicht in den Club gehen!“ (Alena Buyx) Gemeinhin nennt man diese Art der Argumentation „Erpressung“.

Die Maßnahmen gegen Kinder, die zu einer massiven Zunahme psychischer Probleme bis hin zur drohenden „Triage in der Kinderpsychiatrie“ geführt haben, seien „zu deren Schutz“ zu verlängern.

„Wer spaltet die Gesellschaft? Diejenigen, die andere schädigen und unsolidarisch auf ihre 'Freiheit' pochen, oder der, der auf die Schädigung hinweist?“ fragt rhetorisch Peter Dabrock, ehemaliger Vorsitzender des Ethikrats (2016 bis 2020) – als wäre es eine Schädigung anderer, frei leben zu wollen. Seit wann ist Freiheit in einem Rechtsstaat „schädlich“?

Die Entscheidung über eine Impfung sei keine Privatsache, sondern habe Effekte auf alle. Daher müsse man die Maßnahmen gegen Ungeimpfte – wörtlich – schrittweise hocheskalieren. (Alena Buyx)

Täglich wird offensichtlicher, dass keiner der derzeit bedingt zugelassenen Impfstoffe imstande ist, dauerhaft zu schützen, während die Nebenwirkungen insbesondere für Kinder gravierend und wahrscheinlich weit gefährlicher als die Krankheit selbst sind. Videos mit Impfopfern oder deren Angehörigen gehen viral. Es fällt schwer zu glauben, dass es um Ethik und den Schutz von Menschenleben gehen soll, wenn über Menschenleben, über körperliche Selbstbestimmung und das Leid insbesondere der Kinder seit Monaten derart hinweggegangen wird. Wenn Eltern als rechts geframt werden, die Höllenqualen durchstehen, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben vom Staat gezwungen werden, ihren Kindern Dinge anzutun, die sie für schädlich oder gar gefährlich halten.

Kollektivismen und der „Volkskörper“

Es ist auffällig, wie stark dabei seitens des Ethikrats mit Begriffen wie „Solidarität“, „Gemeinschaft“ oder „keine Privatsache“ gearbeitet wird. Es gibt wohl kaum etwas Privateres als den eigenen Körper. Wenn die Entscheidung, was in diesen hineinkommt (oder womöglich auch irgendwann, was herausgenommen wird) keine Privatsache ist, liegt ganz offensichtlich ein Menschenbild vor, in dem der Einzelne dem Kollektiv absolut untergeordnet ist.

Kollektivismen aber sind immer gefährlich. Wenn der eigene Körper keine Privatsache ist, können theoretisch auch zwangsweise Organentnahmen, Vergewaltigungen und präventive Morde „zum Wohle der Solidargemeinschaft“ gerechtfertigt werden. Freie Gesellschaften zeichnen sich aus genau diesem Grund durch das Primat des Individuums aus. Nach der Erfahrung des nationalsozialistischen „Volkskörpers“, dem der einzelne Körper und sein Überleben mitleidlos untergeordnet wurde, wurden die Grundrechte als Abwehrrechte des Individuums gegen den Staat formuliert. Damals war die Erfahrung noch frisch, wie die Nazis unter anderem den „Seuchenschutz“ vorschoben, um den Massenmord an den Juden zu legitimieren.

In freien Gesellschaften haben individuelle Grundrechte Vorrang vor staatlichen Interessen. Die totale Unterordnung des Einzelnen unter ein Kollektiv ist ein Kennzeichen von Totalitarismus. Es wäre die Aufgabe des Ethikrats, darauf aufmerksam zu machen.

Während der Aufklärung wurden grundlegende Prinzipien des Verhältnisses von Individuum und Staat festgelegt. Hobbes‘ Idee vom Gesellschaftsvertrag bestimmte seit der Aufklärung die politische Philosophie: Menschen wurden nicht mehr als rechtlose Untertanen, als Objekt, gedacht, sondern als Subjekt politischen Handelns. Ein enormer Schritt auf dem Weg zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Der Bürger wurde vom Unterworfenen zum Vertragspartner. John Locke begründete mit dem Gedanken des Naturrechts das Recht zum Widerstand. Regierungen waren damit nicht mehr sakrosankt „von Gottes Gnaden“, sondern rechenschaftspflichtig. Eine Regierung, die die Naturrechte Leben, Freiheit und Eigentum nicht respektiert, hat nach Locke ihre Legitimität verloren. Es wäre die Aufgabe des Ethikrats, darauf aufmerksam zu machen.

Es gibt keine Demokratie, in der Bürger Objekte sind

Denn nur mit dem Bürger als Subjekt politischen Handelns ist Demokratie überhaupt möglich. Es gibt keine Demokratie, in der Bürger Objekte sind. Nur der objektifizierte Mensch ist gehorsamspflichtig. Die Unterscheidung vom Bürger als Subjekt oder Objekt politischen Handelns ist damit gleichzeitig die Unterscheidung zwischen Demokratie und Unterdrückung.

Derzeit befindet sich die Politik in einem voraufklärerischen Hysteriemodus. Der Mensch wird vom Subjekt wieder zum Objekt politischen Handelns und in immer weiteren Eskalationsstufen eine kollektivistische Gesinnungsethik (Max Weber) entwickelt. Gesinnungsethik bedeutet, vereinfacht gesagt, die Vorstellung, der Zweck heilige die Mittel. Wo die Mittel dem Zweck jedoch untergeordnet sind, ist alles zu legitimieren. Selbst Verbrechen lassen sich so als edle Notwendigkeit rechtfertigen. So kann man Menschen dazu bewegen, im Widerspruch zu ihrem natürlichen Wertempfinden zu handeln.

Die Umwertung aller Werte, wie Nietzsche es nannte, gelingt am leichtesten, indem man sie einem angeblich „höheren Ziel“ unterordnet und entsprechend unter Vorbehalt stellt. Aus genau diesem Grund arbeiten totalitäre Ideologien mit Gesinnungsethik. Jedes Terrorregime der Geschichte schob deshalb „höhere Werte“ vor, um Rechtsbrüche und Gewalt zu legitimieren. Für angeblich „höhere Ziele“ wurden Menschen auf Scheiterhaufen verbrannt oder in Todeslagern ermordet. Deshalb darf Gesinnungsethik niemals staatliches Handeln bestimmen (Max Weber wusste das auch). Es wäre die Aufgabe des Ethikrats, darauf aufmerksam zu machen.

Staatliches Handeln muss sich an seinen Methoden messen lassen. Die Methode macht den Verbrecher, nicht das Ziel. Selbst ein Terrorist handelt in seiner eigenen verqueren Logik im Interesse eines höheren Zwecks. Aber kein Zweck der Welt entschuldigt Anschläge auf Synagogen, Züge oder Weihnachtsmärkte. Ganz gleich, aus welchem Grund: wer ein Verbrechen begeht, ist ein Verbrecher. Es gibt keinen „heiligen“ Krieg, und kein „edles“ Verbrechen. Gewalt, Erpressung, Bedrohung sind immer schmutzig. Das spiegelt sich auch in der Rechtsprechung demokratischer Staaten: nicht die Gesinnung ist ein Verbrechen, wohl aber die Handlung. Es wäre die Aufgabe des Ethikrats, darauf aufmerksam zu machen.

Religiöse Kategorien von Reinheit und Unreinheit

Stattdessen hat der Ethikrat es zugelassen, dass über „3/2/1G“ vormoderne, letztlich religiöse Kategorien von Reinheit und Unreinheit politisches Handeln bestimmen: An oberster Stelle stehen die Geimpften, gefolgt von den Genesenen und schließlich den Getesteten. Außerhalb dieses Kastensystems stehen alle anderen: gewissermaßen als Parias. Mitglieder des Ethikrats sollten wissen, dass die Gewaltbereitschaft von Menschen steigt, wenn sie diejenigen, die außerhalb ihrer Bezugsgruppe stehen, als „unrein“ wahrzunehmen lernen – so wie der eingangs zitierte Bauer.

Die Einführung von 3G am Arbeitsplatz birgt zwangsläufig die Gefahr, dass „Unreine“ dort irgendwann nicht mehr erwünscht sind – wie bereits berichtet wird. „Seit der Antike stand, nicht nur in gnostisch-arkanischen Religionsstilen, der Körper als Materie generell unter Unreinheitsverdacht…“, schreibt Petra Bahr. (1) Unreinheitszuschreibung sei nicht nur eine Bewältigungsstrategie für Krisen in Religionen, sondern legitimiere auch den Ausschluss bestimmter Gruppen bis hin zu deren repressiver Ausmerzung. Insbesondere im Bereich der Zivilreligion – also, sobald die Vorstellung in den politischen Bereich gelangt – führe diese Vorstellung zu „kollektivem Reinheitswahn, zu ‚Rassenhygiene‘, ‚Säuberungsaktionen‘ und Apartheidspolitik.“ Es wäre die Aufgabe des Ethikrats, auf diese Gefahr aufmerksam zu machen.

Stattdessen verhält er sich längst nicht mehr wie eine Kontrollinstanz politischen Handelns, sondern wie eine religiöse Institution, die mit der Politik ein wechselseitiges Legitimationsbündnis eingegangen ist – gewissermaßen wie eine staatsreligiöse Instanz. Die Anwendung von aus totalitären Kontexten hinreichend bekannten Legitimationsmustern wie Kollektivismus, Gesinnungsethik und schließlich die vormoderne Kategorisierung von Reinheit und Unreinheit ist in ihrer Abgedroschenheit einfach nur plump zu nennen.

Unwidersprochen lässt man das Unwort des CDU-Politikers Ralph Brinkhaus stehen, man könne sich ja impfen lassen – de facto nichts anderes als die Aussage, dass das Menschenrecht auf körperliche Selbstbestimmung hiermit abgeschafft sei. Was genau unterscheidet diese Argumentation dann von einer Ausgrenzung nach Religion, die man ja auch wechseln kann?

Interessant ist dabei die Rolle der Kirchen, die diese aus dem religiösen Kontext stammenden Muster offenbar bereitwillig aufgreifen: Peter Dabrock, seines Zeichens Theologe und von 2016 bis 2020 ebenfalls Vorsitzender des Ethikrats, wirft Ungeimpften gar „Schädigung, mangelnde Solidarität“ und ein „egoistisches Freiheitsverständnis“ vor, wenn sie ihr im Nürnberger Kodex verbrieftes Recht in Anspruch nehmen, sich einer experimentellen medizinischen Behandlung zu verweigern.

Auch die EKD-Ratsvorsitzende Anette Kurschus hält eine Impfung „nicht für eine individuelle Entscheidung“, sondern für eine „Pflicht“ und offenbart damit ebenfalls ein kollektivistisches, objektifizierendes Menschenbild.

Wissenschaftsphilosoph Michael Esfeld hält dagegen: „Weshalb heißen Grundrechte Grundrechte? … weil sie bedingungslos gelten.“ Da dies nicht mehr der Fall und Grundrechte nunmehr an Bedingungen geknüpft seien, sei Deutschland kein Rechtsstaat mehr, sondern habe Ähnlichkeit mit einem Apartheitsregime. Bürger dürften sich von der Politik nicht einreden lassen, sie seien egoistisch, nur weil sie ein normales Leben führen wollen.

Auch der Philosoph Julian Nida-Rümelin meint, die Politik trage ihr eigenes Versagen auf dem Rücken der Ungeimpften aus. (Angesichts der Politiker-Krokodilstränen wegen überfüllter Intensivstationen hätte er hinzufügen müssen: Wer mitten in einer Pandemie tausende Intensivbetten abbaut, darf die Bürger nicht zur Entlastung in die Pflicht nehmen. Der Bürger ist nicht für die Unvernunft der Politik zuständig.) Unverständlich ist nur, warum Nida-Rümelin weiterhin stellvertretender Vorsitzender eines Ethikrats bleibt, der, wie er gerade dieser Tage mit seinen Forderungen nach einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen zeigt, ganz offensichtlich ein massives Rechtsstaatlichkeitsdefizit hat.

Welches Menschenbild hat der Ethikrat?

Tatsächlich sollte sich ein Ethikrat, der Bürgern das Recht der Selbstbestimmung über den eigenen Körper abspricht, dringend fragen, für welches Menschenbild er steht. Denn es gibt ein Wort für Menschen, die nicht über ihren eigenen Körper bestimmen dürfen: Sklaven.

Die Folgen sind bereits deutlich sichtbar. Was beim Recht auf Bildung und kulturelle Teilhabe beginnt, zeigt mit erschreckender Geschwindigkeit auch Auswirkungen bis hin zum Recht auf Leben. Die Universität Tübingen verwehrt mit der 3G-Regelung im aktuellen Wintersemester de facto Studierenden, die nicht gerade wohlhabende Eltern haben, den Zugang zu Bildung. Dozenten wird ein aufwändiges Verfahren für die „zeitsparenden“ Stichproben zur Überprüfung beschrieben. Weil es derart kafkaesk ist, gebe ich es im wörtlichen Zitat wieder:

„b) Dozent/innen zählen die Teilnehmerzahl N und berechnen daraus die Anzahl n der zu ziehenden Personen: 10% sind z.B. bei N = 40 TN → n=4, bei N = 100 TN → n=10 (ergibt die Berechnung von 10% der Teilnehmenden eine Zahl mit Nachkommastellen, so ist kaufmännisch zu runden). Bei Veranstaltungen mit unter 30 Teilnehmenden müssen mindestens 3 Personen gezogen werden um eine übermäßig selektive Auswahl zu vermeiden. Bei Überprüfung am Eingang des Lehrraumes ist die TN-Zahl im Voraus anhand der Anmeldungen (alternativ der Platzzahl im Raum) zu bestimmen.

c) In der Google-Suchfunktion (www.google.com) unter „Zufallsgenerator“ ist bei „Max.“ die Zahl N der TN insgesamt einzutragen.

d) Dann wird gemäß der nach b) ermittelten Zahl n (=10% der TN-Zahl) n Mal eine Zahl durch anklicken des Feldes „GENERIEREN“ erzeugt und notiert (dies kann aus Gründen der Transparenz auch für die Teilnehmenden sichtbar gemacht werden). Die so generierten Zufallszahlen sind die Nummern der zu überprüfenden Personen. (…)

h) Das Vorgehen wird von den Dozierenden zu Beginn jeder Lehrveranstaltung transparent erklärt. Auf diese Weise wird faktisch der Anschein einer Diskriminierung ausgeschlossen. Auf Anonymität wird deutlich hingewiesen, ebenso auf die möglichen Konsequenzen von Regelverstößen: Personen ohne gültigen 3G-Nachweis ist die Teilnahme an der Präsenzveranstaltung untersagt, die Teilnahme an einer Veranstaltung ohne 3G-Nachweis stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann ein Bußgeld in empfindlicher Höhe nach sich ziehen. (…)

VI. Soweit am Sitzplatz Maskenpflicht besteht, ist der 3G-Status von Personen, die von der Maskenpflicht befreit sind, unabhängig von den Stichproben zu überprüfen.“

Soweit das Zitat aus dem Land, wo man alles außer Hochdeutsch kann. Eines Tages wird man es vielleicht in Schulbüchern abdrucken, als Beispiel für die Bürokratisierung der Ausgrenzung. Wo ist für den Ethikrat der Unterschied, wenn jemand nicht wegen seiner Hautfarbe, sondern wegen seines Maskenattests gefilzt wird? Wo ist der Unterschied, ob man wegen seines Geschlechts von höherer Bildung ausgeschlossen wird oder wegen seines Impfstatus? Auch wenn die Anleitung zur Diskriminierung in korrekt gegenderter Sprache erfolgt, es bleibt Diskriminierung. Unter Aufsicht des Ethikrats wächst so eine Generation heran, die es für normal halten wird, Menschen von Bildung auszuschließen.

Dies ist kein Einzelfall. So fragt die Bayerische Staatsoper in einer Umfrage, ob man nicht Ungeimpfte aussperren und dafür den anderen die Maske erlassen und wieder Alkohol servieren könnte. Die Option Normalbetrieb wie vor Corona gibt es in der Umfrage nicht. Hier wird ganz offen der Versuch gemacht, das Publikum zu Kollaborateuren der Ausgrenzung zu machen, indem man sie mit Leckerli besticht wie dressierte Affen. Und das bei der Vergangenheit dieses Hauses.

„Zweierlei Menschen“

Zum ersten Mal seit 1945 gilt in Deutschland nicht mehr ein Recht für alle. Zum ersten Mal seit 1945 gibt es wieder „zweierlei Menschen“ (Bert Brecht). Ein ungeimpfter, völlig gesunder Wissenschaftler darf die Bayerische Staatsbibliothek nicht betreten, in der seine Bücher stehen, sofern er nicht selbst einen Test als Passierschein bezahlt. Man muss wirklich keine Professur in Philosophie haben, um zu sehen, dass das unethisch ist.

Was als nächstes kommt, ist schon jetzt sichtbar: In Bayern kann sich Gesundheitsminister Klaus Holotschek wörtlich den Ethikrat zitierend („keine Privatsache“) eine Impfpflicht vorstellen – mit einem nicht ordnungsgemäß zugelassenen Impfstoff, an dessen vorläufigen Zulassungsstudien massive Zweifel bestehen, im Widerspruch zum Nürnberger Kodex und wohl auch der Verfassung.

Weltärztebund-Vorsitzender Frank Ulrich Montgomery nennt es „Tyrannei der Ungeimpften“, die Selbstbestimmung über den eigenen Körper zu behaupten. Und in Thüringen findet ein Zivilisationsbruch statt, der bisher einmalig in der Geschichte der BRD ist. Ministerpräsident Ramelow will Ungeimpften bei Überfüllung zugunsten Geimpfter die Behandlung in Krankenhäusern verweigern (was sie im Notfall tun sollen, wenn jede Minute zählt, oder gar, wenn die Nachbarländer ähnliche Regeln einführen sollten, scheint ihn nicht zu interessieren). Er will damit genau das umsetzen, was der eingangs zitierte Bauer fordert. Bisher nannte man das unterlassene Hilfeleistung, und es galt als Straftat.

Niemals in der Geschichte der Bundesrepublik wurden Kranke wegen ihres Impfstatus abgewiesen, von Krankenhäusern, die bekanntlich auch Tuberkulose, Typhus und die Pest behandeln. Menschen, die das Gesundheitssystem ja über ihre Krankenkassenbeiträge ebenso bezahlen wie Adipöse (die den Großteil der Covid-Intensivpatienten ausmachen), Risikosportler oder Raucher. Der Ethikrat bleibt die Antwort auf die Frage schuldig, was es rechtfertigt, Menschen ohne Covid-Impfung die medizinische Behandlung zu versagen, solchen ohne Diphterie-Impfung, Adipösen oder Rauchern jedoch nicht.

Und welche Steigerung ist nach so einer Regel noch denkbar? Das ist nicht mehr nur Ausgrenzung und Diskriminierung. Menschen von medizinischer Versorgung im Krankenhaus auszuschließen, dafür gibt es nur eine Bezeichnung: Gewalt.

Es wäre die Aufgabe des Ethikrats, die Politik zu kontrollieren und solchen beispiellosen Entgleisungen entgegenzutreten. Das Gegenteil geschieht derzeit. Es ist der Ethikrat, der mit seiner kollektivistischen Gesinnungsethik, mit seinen zivilreligiösen Kategorien von Reinheit und Unreinheit und seiner voraufklärerischen Objektifizierung des Menschen noch die Legitimation für solche Ausfälle liefert. Mit seinem Menschenbild als Objekt, ja, Sklave der Politik schafft er erst die Rechtfertigung dafür.

Von Tag zu Tag benötigt man mehr guten Willen, um nicht auf den Gedanken zu kommen, hier gehe es um die bewusste Legitimierung massiver Menschenrechtsverletzungen. Spätestens, nachdem ein Gutachten des Staatsrechtlers Dietrich Murswiek die aktuellen 3G oder gar 2G-Beschränkungen (Freiheitseinschränkungen für Ungeimpfte) als verfassungswidrig bezeichnet hat, müsste der Ethikrat geschlossen zurücktreten. Stattdessen eskalieren seine Äußerungen von Tag zu Tag mehr. Damit hat er bei der Aufgabe, für die er geschaffen wurde, bei seiner ersten wirklichen Bewährungsprobe, grandios versagt und sich selbst unwiderruflich diskreditiert.

Über die Autorin: Agnes Imhof, Jahrgang 1973, ist Autorin, promovierte Islamwissenschaftlerin und derzeit assoziierte Wissenschaftlerin an der Universität Erlangen. Sie studierte außerdem Philosophie und vergleichende Religionswissenschaft.

Anmerkungen

(1) Bahr, Petra: Reinheit, in: Metzler Lexikon Religion, Bd. 3 (Hg. C. Auffarth, J. Bernard, H. Mohr, unter Mitarbeit von A. Imhof und S. Kurre), Stuttgart 2000, S. 150-3.


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Diskussion

15 Kommentare
MICHAEL, 16. November 2021, 08:25 UHR

Vielen Dank für dieses sehr guten Artikel!

Der Ethikrat ist ein weiteres Beispiel dafür, dass in dieser Pandemie das Prinzip der gegenseitigen Kontrolle demokratischer Instanzen nicht funktioniert. Es bleibt die Frage, wie es konkret vor sich geht, dass alle Institutionen derart im Gleichschritt marschieren und der ganze – offensichtlich nur vordergründige – Pluralismus der Gesellschaft wie auf Knopfdruck verschwindet und überall die Fratze der Ausgrenzung, Entmenschlichung und Verzweckung zum Vorschein kommt. Unsere ganze schöne Bildungskultur ist offensichtlich nur Fassade gewesen. Nun, geahnt hat man das ja schon.

JÖRG G, 16. November 2021, 00:00 UHR

Vielen Dank für den Artikel und die Sammlung der monströsen Aussagen des "Ethikrats". Solche Beiträge sind ein wichtiges Zeitzeugnis.

Wobei... WENN diese "Ethiker" wirklich davon überzeugt wären, dass …
(1) Covid-19 eine Krankheit ist, die mit allen Mitteln bekämpft werden muss und
(2) die „Impfstoffe“ (bzw. Gentherapeutika) hochwirksam sind und
(3) der EINZIGE Weg aus der Krise sind und
(4) die Nebenwirkungen vernachlässigbar gering sind und
(5) die Ungeimpften Schuld am Sterben anderer hätten...

DANN wäre es zumindest "menschlich nachvollziehbar", dass Druck auf Geimpfte ausgeübt wird. Aber selbst bei unzweifelhaftem Zutreffen der obigen Prämissen, entspräche es nicht dem „Geist des Grundgesetz“, einem Großteil der Bevölkerung Grundrechte zu entziehen und diese zu diskriminieren.

Hier wird ein Teil des Volkes verhetzt. Nach Strafgesetzbuch § 130 (1) 2 begeht jemand Volksverhetzung, wer

„in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören … die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet …"

Ihre obige Aussage

"Und der Ethikrat versagt bei seiner ersten wirklichen Bewährungsprobe auf geradezu groteske Weise."

impliziert, dass es die Aufgabe des Ethikrats wäre, unabhängig von der Regierung nach der Ethik zu suchen. Ich las neulich einen sehr empfehlenswerten Artikel über den Ethikrat [1], wo es treffend hieß

„Staatliche Ethikräte haben genausoviel mit Ethik zu tun wie Pferdeäpfel mit Obst“.

Der Hauptgrund (Zitat aus [1]):

„In den Deutschen Ethikrat werden 26 Geistesgrößen je hälftig vom Bundestag und von der Bundesregierung (!) vorgeschlagen und dann vom Bundestagspräsidenten berufen. Bei dieser Besetzungsweise ist klar, dass der Deutschen Ethikrat regierungsnah ausgerichtet ist. Damit legt sich der Verdacht nahe, dass der Bevölkerung unter dem Etikett vermeintlich objektiver Ethik „Regierungsethik“ untergejubelt werden soll.“

Mich erinnert der Ethikrat ganz stark an das „unabhängige“ RKI als Bundesbehörde des Gesundheitsministeriums. Schon Edward Bernays beschrieb in „Propaganda“, dass bei der Beeinflussung der Bevölkerung zunächst darüber nachgedacht werden muss, wem die Leute vertrauen. Ein Fleischer, der mehr verkaufen will sollte nicht einfach ein Schild hinstellen uns schreiben „Esst mehr Fleisch“. Nein er sollte sich einen Arzt kaufen, der in einer Zeitung schriebt „Fleisch ist gesund“. Die Menschen vertrauen der Zeitung und den Ärzten.

Das RKI und der Ethikrat genießen hohes Ansehen und den Ruf der Unabhängigkeit. Der Ethikrat, das RKI, die WHO, Stiftung X oder Verein Y „fordern“ etwas und die Politik „folgt“ dann nur der Expertise. Ich halte das für ein abgekartetes Spiel. Das ist viel effektiver, als wenn sich ein Kanzler hinstellt, etwas fordert und dann einfach macht. Von daher meine Meinung: Der Ethikrat wird seiner Aufgabe mehr als gerecht. Respekt!

[1] https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/vorwort-zum-sonntag/deutscher-ethikrat-macht-staatsethik-politik/

MARKUS, 16. November 2021, 13:15 UHR

Was soll denn "menschlich nachvollziehbar" bedeuten? Einem Menschen seine freie Persönlichkeitsentfaltung unmöglich zu machen, ist eben nicht menschlich. Das ist bestenfalls in einer totalitären Logik nachvollziehbar. Irgendwie dachte ich, dass genau das die Botschaft des Artikels war?

STEFAN KORINTH, 16. November 2021, 13:55 UHR

Lieber Jörg G,

ich kann Ihren Versuch, die Argumentation des Ethikrats menschlich verstehen zu wollen, gut nachvollziehen. Aber selbst unter den von Ihnen genannten (in der Realität längst widerlegten) Annahmen wäre es weder menschlich noch logisch nachvollziehbar, Druck auf Nicht-Gentherapierte auszuüben. Denn wenn

„(2) die „Impfstoffe“ (bzw. Gentherapeutika) hochwirksam sind“

kann die Annahme dass

„(5) die Ungeimpften Schuld am Sterben anderer hätten“

gar nicht zutreffen. Die Gentherapierten wären dann hochwirksam geschützt und könnten nicht an Covid-19 sterben. Die einzigen Gefährdeten wären unter diesen Annahmen die Nicht-Gentherapierten und die haben das eigenverantwortlich entschieden. Wenn man diese schützen wollte, würde man vonseiten des Ethikrates nicht so diskriminierend mit ihnen umgehen.

Und umgekehrt: Wenn Annahme 5 zutrifft, muss Annahme 2 falsch sein, da die Gentherapeutika dann eben nur schwach oder gar nicht wirksam wären. Es wäre dann jedoch unlogisch, so viele Menschen wie möglich zur Behandlung mit unwirksamen Präparaten zu nötigen. Zumindest wenn es tatsächlich um Gesundheitsschutz ginge.

Aber wie sie richtig schreiben, hat der Ethikrat ganz offenbar zuallererst eine legitimatorische Funktion für die Regierung. Zudem sitzt Alena Buyx bei der WHO im Expert Advisory Committee on Developing Global Standards for Governance and Oversight of Human Genome Editing. Sie befasst sich dort also beruflich mit Fragen zur Veränderung des menschlichen Genoms. Und auch beim Ethikrat selbst wird sie als „Ansprechpartner“ für Genforschung vorgestellt.

https://www.ethikrat.org/mitglieder/alena-buyx

Nun ja. Es ließe sich jetzt trefflich darüber streiten, ob bei Frau Buyx’ derzeitigen Stellungnahmen tatsächlich die „ethischen“ Interessen dominieren.

JÖRG G, 16. November 2021, 14:15 UHR

Zu der Frage von MARKUS "Was soll denn "menschlich nachvollziehbar" bedeuten?":

Vielleicht hätte ich das weiter ausführen sollen, um Missverständnisse zu vermeiden. Ich bezeichne Handlungen als "menschlich nachvollziehbar", wenn ich die Beweggründe einer Person aus ihrer Perspektive "verstehe". Ich könnte mich beispielsweise in die Perspektive eines Arabers versetzen, der durch US-Kriege Familie und jegliche Lebensperspektive verloren hat, mit seiner Wut nicht umzugehen weiß und vor der US-Botschaft ein Selbstmordattentat mit zivilen Opfern verübt. Das ist für mich irgendwie „nachvollziehbar“. Natürlich kann ich das nicht gutheißen und verabscheue solche Taten.

Verhärtete Fronten lassen sich ganz gut durch Perspektivwechsel aufweichen. Ungeimpfte sind im Moment Opfer einer Entmenschlichung. Ungeimpfte bzw. Regierungskritiker sollten aber nicht mit Entmenschlichung der Gegenseite reagieren. Rollenspiele wo man bewusst die Gegenposition verteidigt und sich in die Rolle „hineinfühlt“, bringen oft überraschende Erkenntnisse zutage.

Natürlich glaube ich nicht, alle Mitglieder des Ethikrat wären einfach nur naiv und in ihrer Argumentation Opfer ihrer eigenen inkompetenten Einschätzung der Sachlage. Da steckt sicher auch Kalkül dahinter. Aber ich würde nicht ausschließen, dass einige Personen dort sitzen, die tatsächlich davon überzeugt sind, sie würden im Sinne der Bevölkerung handeln. Die schärfsten Hardliner sind ja gerade diejenigen, die tatsächlich daran GLAUBEN, dass sie das richtige tun und die WAHRHEIT besitzen.

JÖRG G, 16. November 2021, 14:50 UHR

Sehr geehrter Stefan Korinth,

danke für Ihren Beitrag. Ich kann Ihnen nur zustimmen. Dass Prämisse 2 und 5 einander ausschließen, führt aber offensichtlich nicht dazu, dass die Hardliner aufgeben. Sie kennen das sicherlich auch aus Diskussionen mit Ihren Mitmenschen: Widersprüche werden einfach ignoriert, kleingeredet oder abgestritten. Ohne jeden Zweifel wird voll Selbstvertrauen behauptet im Recht zu sein. Argumente und Quellen werden nicht geprüft. Dieses Verhalten ist nur zu gut bekannt von religiösen Fundamentalisten und leidenschaftlichen Ideologen. Die meisten halte ich für Opfer ihrer (selbstverschuldeten?) Unmündigkeit.

Wenn aber die Staatsmacht (von der Gemeinde bis zum Bund) und ihr Gefolge rational mit Argumenten nicht mehr zu erreichen ist, dann gibt es nur noch einen Ausweg: Die Bevölkerung muss genug Druck aufbauen, um den Wahnsinn zu stoppen.

Regierungskritische Demonstrationen sind ja mittlerweile praktisch verboten. Allerdings hat der Staat eine Schwachstelle, die bei jeder größeren Demonstration der Vergangenheit zutage trat: Um die Demos in Berlin, Leipzig oder Stuttgart „unter Kontrolle zu halten“, mussten stets Polizisten aus teilweise dem ganzen Bundesgebiet anrücken. Man stelle sich vor, es gäbe in jeder Landeshauptstadt von Kiel bis München, oder in jeder großen Kreisstadt samstägliche Spaziergänge. Die Polizei wäre hilflos. Die Hoffnung stirbt zuletzt…

NORBERT PIECHOTTA, 16. November 2021, 13:30 UHR

Wieder mal echter Journalismus - eine delikate, erstklassige Zusammenstellung. Was da von ganz prominenten Vertretern des Ethikrates verbal und intellektuell erbrochen wird, wäre vor 20, ja noch vor 10 Jahren undenkbar gewesen. Insbesondere Dabrocks theologische Widerlichkeiten atmen eine nie vermutete mittelalterlich-inquisitorische Abartigkeit - diametral zum Klardenken z.B. eines Eugen Drewermann.

Die Intellektuellen dieses Landes – besonders auch diese "Ethiker" – reagieren nur auf die forcierte Angstpsychose durch Propaganda/PR, Politmarionetten und Gehirngewaschenen und Korrumpierten in allen gesellschaftlichen Schichten und auf allen Ebenen; sie haben das eigene Denken eingestellt, so je praktiziert. Die einfachsten psychologischen Zusammenhänge scheinen diesen Pseudo-Intellektuellen nicht begreiflich zu sein. Corona ist psychologische Kriegsführung, folgend dem psychopathischen Event 201! Es ist eine Kombination von Konditionierung (Pawlow), Ash (Gruppendruck), Milgram – mittlerweile hat das zu einem Stockholm-Syndrom geführt. Mit "freiwilliger" Maske in fast jeder Lebenssituation, einem Testwahn selbst im Privaten, denn "man kann ja nicht wissen, ob man krank ist" und dem Pseudo-Schutz durch "Impfungen".

Corona ist der Theaternebel, hinter dem Neo-Feudalismus, Neo-Faschismus, Bargeldabschaffung zur Schaffung eines nie gedachten – Ausnahme: Huxley, Schöne neue Welt, und Orwell, 1984 – absoluten Totalitarismus lauern.

ROLF THEUS, 16. November 2021, 18:05 UHR

Was wollt ihr denn! Der Bauer hat in gewisser Weise doch Recht: Nur hat er sich bei einem Wort vertan: „Euch sollte man im Krankenhaus nicht mehr misshandeln, so schaut’s aus!“

RIPPLE, 17. November 2021, 00:05 UHR

Die Propagandaaussagen – und damit auch die Propagandaaussagen dieser schändlichen "Ethik"kommission – haben die inhaltliche Ebene schon längst hinter sich gelassen. Es geht schon seit Anfang 2020 überhaupt nicht mehr um den Inhalt der Propagandaaussagen und -lügen, und damit auch nicht um Logik oder Unlogik oder um den Wahrheitsgehalt. Oder gar um Ethik!

Jede inhaltliche Auseinandersetzung und Entlarvung der Propaganda ist der Propaganda bereits auf den Leim gegangen. Die Propaganda funktioniert nicht mehr über ihre Inhalte sondern nur noch über das DASS der rein formalen Sprechakte. Es geht nur noch um das Als-Ob. Man redet als ob man etwas inhaltlich Sinnvolles oder Relevantes sagen wollte. Worum es tatsächlich geht, ist der rein formale Sprechakt selbst.

Die Propaganda, die durch das Als-Ob des rein formalen und inhaltsfreien Sprechakts unterstützt werden soll, konnte von Beginn der sogenannten Pandemie an nicht auf der inhaltlichen Ebene verteidigt werden. Und es wird immer schwerer, so zu tun als könnte man sie inhaltlich verteidigen. Um so wichtiger wird der rein äußerliche, inhaltsfreie Sprechakt (oder Sprechakt mit widersinnigem Inhalt, was aber wurscht ist, da der Inhalt ja keine Rolle spielt).

Die Propagandisten sprechen ohne relevanten Inhalt, zum einen um normale Menschen sprachlos zu machen, und zum anderen dienen diese rein formalen Sprechakte der Propagandisten als Kristallisationspunkte für die Zustimmung und netzwerkbildende Unterstützung durch andere Propagandisten.

Dieses zwischen allen gesellschaftlichen Playern (Politik, Medien, Wissenschaft, Medizin, Blockwarte, Mauerschützen, regimetreue "Ethik"kommissionen...), die gesellschaftlich überleben wollen, immer enger geknüpfte Netz der inhaltsfreien gegenseitigen Zustimmung muss immer radikaler werden, immer lauter hinausgeschrien werden und die Bedeutung von jeglichem Sinngehalt der Propagandaaussagen muss immer weiter reduziert werden, je offensichtlicher und auf inhaltlicher Ebene schwieriger zu bestreiten der Fake-Charakter der Pandemie, der vollkommene Mangel an positiver Wirkung des angeblichen "Impfstoffs" und die immer weniger weglügbaren oft tödlichen "Neben"wirkungen des in die Menschen gespritzten Serums zu Tage treten.

Nochmal: Jede inhaltliche Auseinandersetzung und Entlarvung der Propaganda ist der Propaganda bereits auf den Leim gegangen. Es gibt nach fast zwei Jahren niemanden mehr, der noch Aufklärung braucht aber nur leider noch keine Chance hatte, Aufklärung wahrzunehmen.

Fragt mich jetzt bitte nicht, was wir an Stelle von Aufklärung und inhaltlicher Entlarvung der Propaganda tun können. Ich weiß es nicht. Dieses Unwissen um einen überlebbaren Soll-Zustand unserer Reaktion auf die inhaltsfreie Propaganda hat aber erstens keinen Einfluss auf die Analyse des Ist-Zustands, der unsere Zerstörung zum Ziel hat und jede unserer inhaltlichen Reaktionen nach Masse ableitet, und zweitens ist ein möglichst klares Verständnis des Ist-Zustands Voraussetzung für jede Überlegung, worauf wir unsere Hoffnung auf ein Überleben der Menschheit noch gründen können.

ROLAND M., 17. November 2021, 08:10 UHR

Herzlichen Dank für den wirklich gelungenen Artikel. Ich hoffe er trägt dazu bei auch den Gleichgültigen die Augen zu öffnen!

Persönlich vermisse ich in der Öffentlichkeit auch den Aufschrei von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International. Die Berichterstattung befindet sich hier immer noch in der "Wohlfühlzone" mit den altbekannten Themen Asyl, Religion, Frauenrecht, ... Dass nicht nur die "Fassade" der menschlichen Rechte verbessert werden muss, sondern mittlerweile das Fundament bereits leider stark beschädigt ist, wird anscheinend nicht wirklich wahrgenommen.

Zu meiner Schulzeit, in den 1990ern, hatten wir in der Schule einen Tonträger von Amnesty International mit Liedern, welche auch uns Kindern Ethik lehren sollte z.B.:

Sage nein (KONSTANTIN WECKER)
Es fangt genau so an (STS)
Bevor ich mit den Wölfen heule (REINHARD MEY)
Sei Kopferl im Sand (ARIK BRAUER)
In Tyrannis (REINHARD MEY)

Auch wurden Filme wie "1984" oder "Die Welle" in der Schule gezeigt. Mein ganzes Leben lang habe ich es nicht für möglich gehalten, beziehungsweise kam es mir nicht einmal in den Sinn, dass wir um unsere fundamentalen Grundrechte jemals wieder kämpfen müssten. Anscheinend ist eine globale Auffrischung dieser Grundwerte unserer Gesellschaft erforderlich um unsere Welt wieder "gerade zu rücken".

ULRICH KARRASCH, 18. November 2021, 20:40 UHR

Dieser Artikel beschreibt anschaulich, wie weit die Gesellschaft bereits erodiert ist unter dem Druck der Vakzinisten. Was ich noch immer nicht verstehe, ist, warum den Menschen, die nicht am Massen-Gentherapie-Experiment teilnehmen wollen, Egoismus vorgeworfen wird. So auch heute wieder von unserem Berliner Regierungs-Müller in den Abendnachrichten. Ist es egoistisch, von der gleichberechtigten Teilnahme am Leben zwangsweise ausgeschlossen zu werden? Wo ist das egoistische Motiv? Ist es nicht vielmehr so, dass ein Großteil der Teilnehmer am Experiment sich nicht zum Schutz ihrer Gesundheit oder gar solidarisch zum Schutz der Gesellschaft haben "impfen" lassen, sie haben sich schlicht dem ausgeübten massiven Druck ergeben. Man könnte sagen – egoistisch. Denn sonst kann man schließlich nicht reisen, ins Theater gehen, in den Club, ... also nicht mehr normal leben.

So wird von den Vakzinisten die Beweislast umgekehrt, Nebelkerzen geworfen und vom eigenen grandiosen politischen Versagen versucht abzulenken durch das "fingerpointing" auf vermeintliche Sündenböcke. Die sollen nun – als Egoisten – an allem Schuld sein. Und das politische Versagen besteht konkret darin, dass es von Anfang an nicht um die Gesundheit der Menschen ging, denn dann hätten keine Krankenhäuser geschlossen und Betten / Personal abgebaut werden dürfen. Da hat der Ethikrat aber keine Einwände, geht seinen Gang.

Es ging von Anfang an um die Umsetzung der von Big Pharma, Big Data und Big Money definierten Agenda durch die vom vertrauensseligen Bürger gewählten Politiker mit Feuerschutz durch den Ethikrat und die vielen anderen Institutionen (Medien, Justiz, ...), die dem "Zweck" untergeordnet wurden und deshalb nicht mehr funktionieren.

HELENE BELLIS, 19. November 2021, 09:25 UHR

»So wird von den Vakzinisten die Beweislast umgekehrt, Nebelkerzen geworfen und vom eigenen grandiosen politischen Versagen versucht abzulenken durch das "fingerpointing" auf vermeintliche Sündenböcke. Die sollen nun – als Egoisten – an allem Schuld sein.«

Es handelt sich, wie bei fast allen Anschuldigungen in dieser Pandemie der Scheußlichkeiten, um das psychologische Phänomen des Übertragens bzw. der Projektion. Wenn man sich das einmal klargemacht hat, trifft man täglich darauf: alles, was den Maßnahmen- und Impfgegnern vorgeworfen wird – sei es von der Politik, den Medien oder den Mitbürgern – atmet diesen Geist. Das erkannt zu haben, macht es zwar nicht besser, für mich kann ich aber sagen, daß mir der Umgang mit diesen Vorwürfen seither leichter fällt. Zum einen, weil ein Muster erkennbar ist, zum anderen, weil diejenigen, die uns beschuldigen, sehr deutlich machen, was sie eigentlich von sich selber halten bzw. was man ihnen, den tatsächlich Verantwortlichen, vorzuwerfen hätte.

Denn wie Sie deutlich herausgearbeitet haben, sind die Egoisten die anderen. Genauso, wie die Tyrannei nicht durch die Ungeimpften ausgeübt wird, sondern durch diejenigen, die ihnen dieselbe vorwerfen. Keim- und Virenschleudern sind sehr wahrscheinlich eher die Maskenträger als gesunde Menschen, die sich erlauben, weiterhin frei zu atmen. Die Liste ist bedauerlicherweise lang und wird täglich länger, die Wahrheit aber tritt mit jedem dieser Vorwürfe deutlicher zutage.

JAN, 19. November 2021, 11:30 UHR

Dank der Autorin für diesen Artikel und mulitpolar für seine Veröffentlichung!

Moderne Zeiten – verrückte Zeiten?!

Die Menschheit lebt seit Jahrtausenden mit Wohltaten und Plagen. Wie konnte sie es bisher und die längste Zeit ohne sowohl sogenannten als auch tatsächlichen Fortschritt schaffen, auf dieser Welt zu überleben, ohne in kürzeren Abständen gegen eine Erkrankung wiederholt geimpft zu werden?

Objektiv fällt diese Krankheit in einen Zeitabschnitt, in der sich das gegenwärtige Finanzsystem auf starkem Schlingerkurs befindet.

Die Frage könnte lauten: Handelt es sich um zufällige Koexistenz der beiden Phänomene (Finanzen und diese Krankheit) oder könnte ein Zusammenhang bestehen?

Es ist evident, dass in unserer Gesellschaft, die sich als Demokratie versteht und lange Zeit danach ihr grundlegendes Handeln in weitem Maße ausgerichtet hat, das Thema Gesundheit ein wesentliches und allgemein goutiertes ist.

Seit geraumer Zeit wird eine Erkrankung derart stark thematisiert und als Motiv verwendet, um Veränderungen in der Gesellschaft zu bewirken. Diese Veränderungen sind in den Augen des einen Bevölkerungsteiles übertrieben, in den Augen des anderen zu milde. Auf beiden Seiten schwingen Ängste mit. Ängste vor Erkrankung, Leid und Tod sowie Angst vor dem Verlust von Rechten.

Auch die Autorin dieses Artikels nimmt Bezug zur „Geschichte“. Auch wenn – inzwischen häufiger und konkludent – damit die Jahre vor 1945 in diesem Land gemeint sind. Ist das erlaubt?

Beispielhaft lässt sich in den Tagebüchern von Victor Klemperer abseits der „großen Zahlen und Ereignisse“ feststellen, wie für ihn und sein Umfeld schrittweise Möglichkeiten im Alltag reduziert wurden. Gleichzeitig war es für ihn und seine arische Frau Eva stärkend und hilfreich, dass sie Solidarität erfahren haben. Von kleinen Gesten, Ansprachen hin bis zu praktischer Hilfe in Form von Gaben, der Möglichkeit, sich frei äußern und austauschen zu können und der Entgegennahme seiner Manuskripte durch Dritte. Dieses in Verbindung mit glücklichen Umständen bzw. „Schicksal“ hat ihn überleben lassen und lässt uns davon wissen. Möglicherweise sind das Anknüpfungspunkte der Autorin. Es ist für mich selbstverständlich, dass sie keine Gleichsetzung mit schlimmsten Totalitarismen jener Zeit intendiert haben konnte.

Es fällt weiter auf, dass unsere Politiker heute zunehmend vom Dialog mit den Menschen abrücken und ebenfalls, dass ein wissenschaftlich begründeter Diskurs über eine Krankheit verkümmert bzw. inexistent ist. Weil „Maßnahmen“ in ihrer temporären und regionalen Bundeslandvielfalt mit kurzem Haltbarkeitsdatum sowie Aufeinanderfolge von scheinbar sich widersprechenden „Maßnahmen“ nicht einfach mit einer vernünftigen Begründung im Sinne der Gesunderhaltung der Bevölkerung zu erklären ist, könnte sich erneut die oben gestellte Ausgangsfrage aufdrängen. Sind neben der Gesundheit noch weitere Themen für Entscheidungen maßgeblich, die so prominent nicht benannt werden? Wenn das so wäre, dann könnte Naomi Klein mit ihrer „Schockstrategie“ eine Begründung geliefert haben. Dabei wäre das „divide et impera“ hilfreich, wovon der gleichfalls hier veröffentlichten Artikel „Die große Gleichgültigkeit“ auch handelt.

Wenn die Verantwortlichen wie Alena B. sich in den gedanklichen „Kampfmodus“ begeben (wie sonst sollte die Formulierung „schrittweise hocheskalieren“ gemeint gewesen und zu verstehen sein?), dann wiegt das schwerer, als wenn Lieschen Müller zu Hause am Couchtisch mit einer kleinen Knabberei derart ihren Liebsten verbal aufwartet.

Zunehmend hege ich Zweifel, dass unsere Gesellschaft heraufziehende Konfliktzeiten gut bewältigen wird können, wenn wir in diesen Tagen uns spalten und zunehmend voneinander abgrenzen lassen. Ich vermisse bestärkende, integrierende und auf das Gute ausgerichtete Impulse von Politik und Mainstreammedien (also das Ernstgemeinte „Wir schaffen das!“). Wer in Friedenszeiten das Pulver verschießt, kommt im Ernstfall in Bedrängnis.

Um mit David Engels abschließend zu fragen „Was tun?“ bleibt nur festzustellen, dass wir uns auf unsere Geschichte und Werte besinnen müssen. Ob dafür das Neue Testament, Kant oder anderes die Quelle bildet, bleibt zweitrangig. In unserem kleinen Alltag sollten wir uns so verhalten können, dürfen und wollen wie 2018 oder 2019.

Menschen, die Sorge vor Diktatur haben, empfehle ich die Abschlussworte des Gandhifilms. Mit Sicherheit kennt Alena B. diese schon lange.

BERNHARD MÜNSTERMANN, 20. November 2021, 14:45 UHR

Auch Señor Jorge Mario Bergoglio auf dem Stuhl Petri kennt La strage degli innocenti - das Fest der unschuldigen Kinder kurz nach Weihnachten im katholischen Kirchenjahr. In einer Zeit, in der die unschuldigen Kinder vor Weihnachten genverändernd traktiert, nämlich mit experimentell „verimpften“ Stoffen und mit absurdesten Maßnahmen gequält werden. Das ist dem biblisch berichteten Abschlachten der innocenti nach dem Evangelisten Matthäus 2,1-16 unter Herodes methodisch zwar nicht gleichzusetzen aber vergleichbar. Es muss der Christenheit deshalb auch zu denken gibt.

Señor Bergoglio mit dem Fischerring predigt Gehorsam gegenüber behördlichen Anordnungen und die Impfung aus Nächstenliebe (sic). Er steht damit den Würdenträgern der evangelischen Kirche wie dem nationalen Ethikrat diesbezüglich in nichts nach. Werden die katholischen Believer in Stadt und Erdenkreis diesen Heuchler vom Hof jagen, dessen unbefleckt weiße Dienstbekleidung eigentlich mit Gülle besudelt aussehen sollte? Wird er dereinst in ein entlegenes Kloster untergetaucht bußfertig zu Papier bringen, wie uns von Augustinus seine Confessiones überliefert wurden? Als entlaufener Messdiener und dieser Kirche seither in Hass-Liebe verbunden drehe ich meine Antenne lieber Richtung Turin, wo Erzbischof Viganò vielleicht auf der Kanzel einen Zusammenhang von unseren Kindern aufgenötigter Genbehandlung und den Innocenti herzustellen vermag. Für die deutsche Bischofskonferenz steht das als Marke nur für die Fabbrica Innocenti aus Milano Lambrate. Sonst ist ihr Name Hase und sie wissen von nichts.

JAN, 20. November 2021, 18:50 UHR

Sehr geehrter, lieber Herr Korinth, meine Familie möchte als zeitgeschichtliches Zeugnis den Artikel über den Ethikrat schwarz auf weiß besitzen. Ich werde auch die Kommentare ausdrucken und danke Ihnen für die Informationen zu Frau Buyx.

Herrn Bernhard Münstermann möchte ich erwidern, dass mich die Aussage des Papstes ebenfalls beschäftigt hat. Ein Freund schickte mir dazu einen Cartoon, in dem ein Junge die päpstlichen Worte „Impfung als Akt der Liebe“ zitiert und ein Mädchen darauf entgegnet: „Das mag sein. Aber einen aufgezwungenen Akt der Liebe nennt man Vergewaltigung“.

Was die Rolle der Kirchen in diesem Land aktuell betrifft – bei allem Respekt vor ihnen und ihren positiven Leistungen über Jahrtausende, die Kirchenfürsten haben scheinbar ihren Auftrag neu definiert oder sind geschichtlicher Amnesie anheimgefallen.

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